Zeittafel bis 1938


1815 6. November

In seiner Rede bei der ersten Eröffnung der Vorlesungen am k. k. Polytechnischen Institut in Wien führte Direktor Professor Johann Joseph PRECHTL abschliessend aus:

Auf diese Art stellt also das polytechnische Institut in seiner verschiedenen Beziehung eine technische Lehranstalt, ein technisches Museum und eine Akademie der technischen Wissenschaften vor. In all diesen Beziehungen wird seine Wirkung fruchtbringend seyn.

Die Realisierung dieser Grundidee dreier Elemente fand vom Polytechnikum aus über die technische Hochschule in die Technische Universität im Gewerbeverein (1839), im Technologischen Gewerbemuseum (1879) und im Technischen Museum (1918) ihre endgültige Ausprägung.

1816

Der Wiener Großhändler Heinrich HOPF unterbreitet der k.k. Kommerzhofkommission einen Entwurf, der die Gründung eines privaten Vereines zur Förderung der Nationalindustrie vorschlägt.

1817 8. März

Die Kommerzhofkommission und die niederösterreichische Landesregierung begutachten - wie PRECHTL - den Entwurf von HOPF negativ.

1822 19. Juli

Prechtl legt den amtlichen Stellen einen Organisationsplan zur Gründung des Vereines zur Förderung der Nationalindustrie vor: Als wirkliche Mitglieder sind alle Institutsprofessoren des Polytechnischen Institutes sowie Fachleute auf dem Gebiete der technischen Wissenschaften vorgesehen, als kontribuierende Mitglieder ist an Personen aus den Kreisen der Fabrikanten und Großhändler gedacht, die zur Schaffung eines Fonds beitragen, aus dem Preise für Erfindungen und Verbesserungsvorschläge für Industrie und Gewerbe geschöpft werden sollen.

1834 6. Februar

Prechtl führte im Jahresbericht für das Studienjahr 1832/33 darüber Klage, dass seine Eingabe für die Organisation des Vereins am Polytechnischen Institut noch unerledigt ist.

1835

Allgemeine oder Central-Gewerbsproduzenten-Ausstellung in den Räumen der Wiener Hofburg über Anordnung von Kaiser Franz I. Die Leitung der Ausstellung hat eine Kommission inne, die aus Mitgliedern der k. k. niederösterreichischen Regierung und des Polytechnischen Institutes sowie als Vertreter des 'Fabriks- und Handelsstandes' aus Chr. Heinrich Edler v. COITH, privil. Großhändler und Mitglied der Provinzial-Handelscommission; Michael SPÖRLlN, Besitzer einer Papierfabrik und Mitglied der Provinzial-Handelscommission; C. G. HORNBOSTEL, Besitzer einer Seidenzeugfabrik und Mitglied der Provinzial-Handelscommission; Rudolf ARTHABER, Chef des Handlungshauses Josef Arthaber, besteht.

1835 November

Gesuch an Kaiser Ferdinand I. um Bewilligung der Errichtung eines Österreichischen Gewerbevereins:

Eure k. k. Majestät!

Lange schon nährten denkende und gebildete Manufakturinhaber in Wien den Wunsch, dass auch hier ein bereits in dem Königreiche Böhmen und im lombardisch-venetianischen Königreiche, sowie in mehreren auswärtigen Ländern mit großem Nutzen bestehendes Institut errichtet werde, nämlich: ein Verein zur Aufmunterung und Beförderung der gesamten Gewerbebetriebsamkeit.

Die von Weiland seiner Majestät Kaiser FRANZ I. beschlossene allgemeine Ausstellung österreichischer Gewerbsprodukte ist durch die kräftigen Veranstaltungen Eurer k. k. Majestät zur Ausführung gebracht worden, und hat sich nicht allein die Zufriedenheit Eurer Majestät und aller Mitglieder der durchlauchtigsten Familie erworben, sondern auch die höheren Stände und alle Klassen des Publikums zur allgemeinen und lebhaftesten Teilnahme an den Fortschritten der inländischen Industrie angeregt. Kaum dürfte es daher einen günstigeren Zeitpunkt als den gegenwärtigen geben, um eine hier bisher noch fehlende Anstalt zur Beförderung der industriellen Fortschritte in das Leben zu rufen.

Diese Betrachtungen und die Überzeugung, dass alles, was auf die Beförderung des Nationalwohlstandes abzielt, allerhöchsten Ortes eine huldvolle Unterstützung zu hoffen habe, ermutigen die untertänigst Unterzeichneten, Eurer k. k. Majestät in dem Anschlusse A ehrfurchtsvoll einen Entwurf der Grundsätze vorzulegen, auf welche nach ihrem unmaßgeblichen Dafürhalten die Errichtung eines Österreichischen Gewerbevereins zu stützen wäre. Sie bitten untertänigst Allerhöchstdieselben wollen diese Grundsätze der Prüfung zu würdigen und allgnädigst zu erlauben geruhen, dass die Unterzeichneten später Eurer k. k. Majestät nach den gebilligten Grundsätzen abgefaßte förmliche Statuten für die Errichtung eines Österreichischen Gewerbevereins zur allerhöchsten Bestätigung vorlegen dürfen.

1838 6. Februar

Allerhöchste Entschließung (der Hofkanzlei und Hofkammer): Die Frage eines Vereines zur Förderung der Nationalindustrie fällt nicht mehr in die Kompetenz des Polytechnischen Institutes.

1838 September

Einladung zur Bildung eines Vereines unter dem Titel 'Österreichischer Gewerbeverein':

Die hohe Stufe der Ausbildung, welche die stoffveredelnden Beschäftigungen gegenwärtig in den betriebsamsten Ländern der Erde erreicht haben, verdanken sie der Anwendung aller neueren Entdeckungen in dem Gebiete der Naturwissenschaften auf die Verfahrungsweisen der mannigfachen Arten des Gewerbebetriebes, und einem durch die bildenden Künste geläuterten Geschmacke in der Darstellung der Formen und Farben aller einer solchen Veredlung fähigen Gewerbserzeugnisse.

Die Überzeugung von dieser Wahrheit hat in mehreren europäischen Staaten die Gründung von Gewerbevereinen für Männer veranlaßt, welche entweder selbst einen bestimmten technischen Beruf verfolgen oder auch nur ein tätiges Interesse an der Beförderung der für den Nationalwohlstand so wichtigen Industrie nehmen wollen.

Welchen wichtigen Einfluß dergleichen Vereine auf die Emporhebung der Nationalindustrie zu gewinnen vermögen, beweisen die Leistungen der Pariser Gesellschaft zur Aufmunterung der Manufaktur und die Mühlhausener industrielle Gesellschaft in Frankreich, die des preußischen Gewerbevereins in Deutschland, endlich selbst in einem der Österreichischen Länder, die Bestrebungen des Gewerbevereins in Böhmen.

Der Zweck einer wohlorganisierten Gesellschaft dieser Art muß dahin gehen, die vielseitigsten Talente, Kenntnisse und Kräfte in einem Mittelpunkt zu dem gemeinschaftlichen Wirken für die Beförderung der stoffveredelnden Industrie zu vereinigen. Umfassend muß daher der Wirkungskreis eines solchen Vereins sein, und es darf ihm nicht leicht ein Feld des menschlichen Wissens und Könnens ganz fremd bleiben, denn fast in jedem findet er Belehrung und Stoff zur Vervollkommnung oder zweckmäßigeren Leitung irgend eines Gewerbsbetriebes. Demnach wird der Physiker, Chemiker und Naturhistoriker sowie der Mathematiker und praktische Mechaniker, der bildende und mechanische Künstler, der Kaufmann und Rentierer, der Agronom, Statistiker und Staatsmann jeder Art, der Unternehmer eines ausgedehnten Fabrikswesens sowie der geschickte Handwerker, ein jeder in seiner besonderen Abteilung ein gleich nützliches Mitglied dieser Verbindung sein; denn gerade das geregelte Zusammenwirken so verschiedenartiger Kräfte bildet eine unversiegbare Quelle des Fortschreitens, der Verbreitung nützlicher Kenntnisse und der Zerstreuung von Vorurteilen unter dem Gewerbestande.

Erprobung neuer Erfindungen, Aussetzung von Preisen oder Belohnungen für die Mitteilung nützlicher Entdeckungen oder Vervollkommnungen im Gewerbsfache, Beförderungen eines geläuterten Geschmacks in Darstellung von Gewerbserzeugnissen, Anzeige oder Erleichterung neuer und vermehrter Absatzwege für dieselben dies werden im allgemeinen die Aufgaben eines solchen Vereins sein. Um aber diese Aufgabe zu lösen, bedarf es der Mitwirkung einer großen Anzahl Männer, welche bereitwillig einen Teil ihrer Zeit, ihre Kenntnisse und Erfahrungen, endlich auch kleine Geldbeiträge diesen edlen, echt patriotischen Zwecken widmen.

Der Wunsch, einen Verein dieser Art in Wien - dem Mittelpunkt des Manufaktur- und Handelsbetriebes einer großen Monarchie - wirken zu sehen, wurde lange von Freunden der vaterländischen Industrie genährt, als Böhmen mit einem rühmlichen Beispiele voranging. Es sprach sich aber derselbe noch lebhafter aus, als die erste allgemeine Gewerbsprodukten-Ausstellung die Überzeugung von der Gemeinnützigkeit eines solchen Institutes unter alle Stände verbreitet hatte. Unter diesen Umständen glaubten die Unterzeichneten den günstigen Zeitpunkt benützen und die erste Anregung zur Gründung eines solchen Vereins versuchen zu müssen, welches durch ein an Se. k. k. Majestät am 16. Jänner 1836 eingereichtes untertänigstes Gesuch geschah. Vor einigen Monaten erhielten sie nun durch die hohe k. k. Niederöst. Landesregierung, unter dem 11. April d.J. datiert, den Bescheid, dass die erwähnte hohe Landesregierung vom Allerhöchsten Orte beauftragt sei, diese Angelegenheit in Verhandlung zu nehmen, dass zu dem Ende die Unterzeichneten einen gehörig bearbeiteten Statutenentwurf vorzulegen und eine zu einem solchen Vereine einverstandene zureichende Anzahl von Personen nachzuweisen hätten.

In Folge dieser Aufforderung erlauben sich die Unterzeichneten Sie einzuladen, durch Einzeichnung Ihres Namens auf beiliegender Beitrittserklärung diesen patriotischen Verein ins Leben zu rufen, damit baldmöglichst eine Zusammentretung zu näherer Besprechung des Organismus und zur Beratung der Statuten des Vereins veranlaßt werden könne.

gez. COITH, ARTHABER, SPOERLIN, HORNBOSTEL

1838 30. Dezember

Erste provisorische Generalversammlung zur Gründung des Österreichischen Gewerbevereins. Nach einem Bericht von COITH über die bisher unternommenen Schritte wird über seinen Antrag Graf COLLOREDO-MANNSFELD zum Provisorischen Vorsteher gewählt; mehr als hundert 'edler und hochgeachteter' Männer haben bereits eine Beitrittserklärung unterschrieben. Eine Kommission von acht Mitgliedern erhält den Auftrag, einen Statutenentwurf auszuarbeiten.

1839 27. Februar

Die Kommission überreicht dem niederösterreichischen Landespräsidium den Statutenentwurf.

1839 20. Oktober

Mittels Dekrets der k. k. niederösterreichischen Regierung wird die allerhöchste Entschließung mitgeteilt, dass die Statuten mit Einschränkungen - der Verein darf sich nicht als 'Österreichischer', sondern nur als 'Niederösterreichischer Gewerbeverein' bezeichnen - genehmigt wurden.

1839 8. Dezember

Die Generalversammlung beschließt die Geschäftsordnung und richtet die Bitte an Erzherzog FRANZ KARL, das Protektorat, und an Staatsminister Graf KOLOWRAT, die Kuratorstelle anzunehmen.

1839 29. Dezember

Die Generalversammlung wählt den

Vorsteher (Graf COLLOREDO-MANNSFELD), die gesamte Vereinsleitung und die Mitglieder der sechs Abteilungen.

1840 25. Jänner

Endgültig konstituierende Vollversammlung mit der Wahl von Professor Jakob REUTER zum ersten Sekretär. Das Vereinslokal wird in Annagasse Nr. 1.000 gemietet.

1840 17. Februar

Im Landhause findet die erste Monatsversammlung mit folgenden Vorträgen statt:

Der Vorsteher Graf COLLOREDO-MANNSFELD: Ueber die Ziele und Wege des neuen Vereins.

Michael SPOERLlN: Ueber die Fortschritte der Papierfabrication; stellt den Antrag, folgende zwei Fragen der Abteilung für Chemie und Physik zuzuweisen: Welche sind die Mängel, die dem Maschinenpapiere anhaften, und was kann der Verein veranlassen, um sie zu beseitigen?

Professor BURG beantragt Untersuchungen über das Grössenverhältnis der einzelnen Teile an dem Centrifugal-Gebläse.

Chr. G. HORNBOSTEL beantragt die Einsetzung einer besonderen Kommission für die Frage der Einführung einer geregelten Nummerierung der filierten Seide.

Professor SPRENGER macht auf die Notwendigkeit aufmerksam, die Formen der gemeinen Töpfererzeugnisse zu verschönern.

Architekt FÖRSTER über die Brauchbarkeit und Billigkeit der tönernen Wasserleitungsröhren in Württemberg und Sachsen.

Professor v. ETTINGSHAUSEN fordert den Verein auf, alle Anstrengungen für die Erzeugung guten Flintglases im Inlande zu machen.

Der Vereinssekretär Dr. Emil AUSPITZER, noch im Besitze sämtlicher Akten des Vereinsarchivs, berichtet 1890 rückblickend:

Wir sehen fortan in den Versammlungen des Vereins ein stetes wechselseitiges Geben und Empfangen; die Männer der Wissenschaft berichten ihre Erfahrungen und regen zur Anwendung derselben an; die Männer der Praxis dagegen tauschen nicht nur ihre eigenen Wahrnehmungen aus, sie berichten nicht nur über die ihr Gebiet berührenden Vorgänge im Auslande, sie geben selbst auch wieder den Gelehrten und Künstlern Anregungen, indem sie vorhandene Mängel aufdecken Probleme aufstellen und für deren Lösung wirken. Und noch Eines kam hinzu, den neuen Verein populär und seinen Mitgliedern lieb und wert zu machen: Im damaligen Österreich wurzelte bereits in allen Kreisen der Bevölkerung die Überzeugung, dass das morsche franziszeische Regierungssystem dem Untergange geweiht sei; allein die Stände, die vom allmächtigen Erzherzog LUDWIG mit scheelen Augen angesehen wurden, konnten sich nur selten versammeln; die Tagespresse war durch die berüchtigte Censur des Zeitalters zu vollständiger Bedeutungslosigkeit verurteilt; politische Vereine und Versammlungen gab es nicht. Hier dagegen, im Gewerbeverein, war nicht nur im privaten Verkehr Gelegenheit zu kritischem Meinungsaustausch über die Verhältnisse gegeben; die Vereinsversammlungen boten auch eine sonst nirgends vorhandene Schule der parlamentarischen Verhandlungen, die mit Vorliebe besucht und gepflegt wurde. So sehen wir die Mitglieder stets zahlreich zu den Versammlungen erscheinen, sich immer mehr finden und sich aneinander und an den Verein schliessen. Wir sehen die ersten Keime zu jener mächtigen Anziehungskraft, die unser Verein, wie selten ein anderer, auf alle folgenden Generationen seiner Mitglieder ausübt; die ersten Fäden zu dem starken Bande gegenseitiger Wertschätzung und freudiger Arbeitsgemeinschaft, das bis zur Stunde unsere Mitglieder umschliesst.

1840 April

Ein größeres Vereinslokal muss in der Himmelpfortgasse Nr. 965 gemietet werden; 617 Mitglieder.

1840 4. Mai

1. statutenmäßige Mai-Generalver-sammlung in der ehemaligen Reichskanzlei der Hofburg; anwesend: Erzherzog FRANZ KARL, Erzherzog STEPHAN, Staatskanzler Fürst METTERNICH und 274 Mitglieder. Präsident Graf COLLOREDO-MANNSFELD in seiner programmatischen Eröffnungsrede:

Es ist noch nicht sehr lange her, dass man allgemein einsieht, wie eine auf gründlichem Wissen, dann genauem Erkennen und richtigem Beurteilen aller, meist sehr wandelbarer Verhältnisse beruhende, ausgebreitete Gewerbs-Industrie für das Allgemeine des Staates sowohl, als für jeden einzelnen Angehörigen desselben von höchster Wichtigkeit ist. In welchem Masse dies aber der Fall ist, dann, wie und wodurch diese Industrie am wohltätigsten wirkt, das dürften wohl noch nicht viele genau erwogen haben. Das Bedürfnis jedoch, diese Industrie zu heben und zu vermehren, wird allgemein gefühlt, und täglich gewinnt auch die Überzeugung mehr Raum, dass nicht Geld oder Capitalien allein es sind, wodurch sie gehoben und zur dauernden Wohltäterin ganzer Völker werden kann. Niemand vermag auch mehr zu bezweifeln, dass Kenntnisse, Fleiss und Ordnung zum nutzbringenden Betriebe der Gewerbe das Vorzüglichste, Unentbehrlichste, noch weit wichtiger als die wol auch nötigen Geldkräfte sind.

Weitaus die meisten Gewerbe lassen sich nicht mehr so betreiben, wie sie unsere Väter betrieben haben. Unsere Zeit stellt alle Anforderungen weit höher, als die vorausgegangene, und steigert sie noch fortwährend. Wir bedürfen schon, um ihnen nur Einigermassen zu entsprechen, eines grossen, ausgebreiteten Wissens, zugleich aber auch, um in demselben nicht zurückzubleiben, einer fortgesetzten Aufmerksamkeit auf die so häufigen Fortschritte und Entdeckungen, die dermalen weit schneller aufeinander folgen wie sonst, meist in innigem Zusammenhange stehen, und von den bedeutendsten Wirkungen für das Leben sind. Die Kräfte eines einzelnen Menschen reichen nicht mehr hin, um allen diesen Anforderungen zu entsprechen. Nur die vereinten Vieler führen ans Ziel ... Es hat sich in allen bisherigen Versammlungen bei sämtlichen Mitgliedern derselbe Geist zu erkennen gegeben, der sie bei der Bearbeitung ihrer ersten Aufgabe beseelt hat, der Geist nämlich einer wahren ungeheuchelten Humanität, der sein eigenes Wohl nur in dem Wohle, nie in dem Verluste Anderer sucht; der unermüdet einzig nach Wahrheit und richtiger Einsicht strebt; der entfernt von jeder, blos Dünkel und Geringschätzung fremder Ansichten erzeugenden Selbstsucht sehr wohl weiss, wie sogar der Einsichtsvollste noch von dem Geringsten Vieles lernen kann, und der daher stets bemüht ist, jede Meinung mit Achtung zu würdigen und die wohlbegründete eigene nur mit Schonung Anderer zu verteidigen; der gerne das mühsam durch Fleiss, Beobachtung und Erfahrung Erworbene Anderen mitteilt, um sie vor den eigenen Fehlern zu warnen; der aber vor Allem von der Überzeugung durchdrungen ist, dass nur besonnene, wohlberechnete Ordnung, wohlmeinendes, vernünftiges Vertrauen in Andere und wechselseitige Unterstützung Grosses und Gemeinnütziges hervorzubringen und zu erhalten vermögen.

1840 3. August

Prof. BURG berichtet über die von Joseph MADERSPERGER vorgestellte Nähmaschine, die er als noch etwas verbesserungswürdig, aber als sinnreiche Erfindung bezeichnet. Der Gewerbeverein verleiht MADERSPERGER die bronzene Medaille.

Dabei ist zu bedenken, dass der Gewerbeverein unter strenger polizeilicher Aufsicht betreffend die Einhaltung der Statuten stand. Mit einer Finanzierung von Erfindungen durfte er sich nicht befassen.

1840

Für Verdienste um die Entwicklung der heimischen Gewerbe und der Industrie durch Schaffung neuer Erwerbs- oder Industriezweige und für Verdienste der in den Werkstätten oder Fabriken angestellten Werkführer, Altgesellen und Arbeiter' verleiht der Verein große (im Gewicht von 20 Ducaten), kleine (10 Ducaten) silberne und bronzene Medaillen sowie Anerkennungsdiplome.

1841

Über Anregung von SPÖRLIN werden Concurse um silberne Vereinsmedaillen für verdiente Werkführer und Altgesellen im Turnus in je fünf Jahren ausgeschrieben.

1843 4. Dezember

Eröffnung einer Zeichen- und Webschule, Titel 'Copier-Anstalt'. Der Titel wurde gewählt, damit die Schule nicht in den staatlichen Schulbereich 'gezwängt' werden konnte.

1846

Der Vereinssekretär Prof. Jakob REUTER erwirkt die Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der Lage der jugendlichen Arbeiter und der Kinder in den Fabriken.

1848 29. Februar

Unter dem Eindruck der Nachrichten aus Paris über die Revolution, den Sturz der Juli-Dynastie und die Ausrufung der Republik sowie der Stimmung in Wien richtet SPÖRLIN folgende Worte an die Vollversammlung:

Wir Bürger vergrössern nicht die Verlegenheiten des Staates, wenn wir gerade jetzt, im Augenblicke der Bedrängnis, unsere Stimmen erheben und es vor aller Welt bekennen, dass wir mit dem Regierungssystem unzufrieden sind. Bleibt die jetzige Regierung, dann ist der Staat und sind wir Alle verloren. Es muss eine starke, eine dem Zeitgeiste angemessene Regierung an die Stelle der jetzigen gesetzt werden. Wir sind es dem Kaiser, dem Vaterlande, unseren Familien schuldig, darauf zu dringen.

1848 6. März

ARTHABER trägt in Anwesenheit von Erzherzog FRANZ KARL und Staatsminister Graf KOLOWRAT den mit Präsident COLLOREDO-MANNSFELD und den Brüdern HORNBOSTEL formulierten Antrag der Vollversammlung vor:

Eure Majestät!

Ungeheure Ereignisse haben im Westen von Europa stattgefunden. Der Kredit ist auf das Tiefste erschüttert, alle Gewerbe stocken und es droht die höchste Gefahr. Nur ein festes, inniges Anschließen der Regierung an die Stände und Bürger, ein festes, inniges Anschließen Österreichs an die Interessen des gemeinsamen deutschen Vaterlandes, und Offenheit kann das alte, so oft erprobte Vertrauen wieder gewinnen.

In dieser Zeit der Not wagt es daher der gehorsamste Niederösterreichische Gewerbeverein, Eurer Majestät die Versicherung zu geben, dass alle seine Glieder bereit sind, Gut und Blut für das angestammte Kaiserhaus zu opfern, indem sie überzeugt sind, dass Eure Majestät nur die weisesten und zweckmäßigsten Mittel wählen werde, das drohende Übel abzuwenden.

Eurer Majestät treugehorsamster Niederösterreichischer Gewerbeverein

Nach der Vorlesung dieses Entwurfs entstand ein solcher Beifallssturm in der Versammlung, dass der das Präsidium führende Vereinsvorstand, als er die Frage stellte, ob der Verein diesem Entwurf seine Zustimmung erteile, sich nicht vernehmlich machen konnte. Alles erhob sich von den Sitzen und brachte Hoch-Rufe auf den Kaiser, das Kaiserhaus und auf Österreich aus. Erst als ARTHABER zu dem sichtlich außer Fassung gekommenen Erzherzog sich wandte und sich vor demselben tief verbeugte, trat eine Pause der Ruhe ein. ARTHABER bat den Erzherzog, dass er als Protektor des Vereins die hohe Gnade haben möge, die in der Adresse enthaltenen redlichen Wünsche an den Stufen des Kaiserthrones gnädigst zu befürworten. Nach diesen Worten brach abermals ein lange andauernder Beifallssturm los. Der Erzherzog zögerte sichtlich und kämpfte mit sich, was er tun solle, plötzlich erhob er sich aber. Tiefe Stille trat ein, einige Sekunden später, als der Erzherzog eine Abschrift der Adresse aus den Händen des Vereinsvorstandes entgegennahm, fing die Versammlung neuerdings an, in Jubel auszubrechen. 'Er nimmt sie! Er nimmt sie!' hieß es im ganzen Saale. Der Erzherzog wendete sich hierauf zur Versammlung und richtete an sie mit bebender Stimme folgende bedeutungsvolle Worte:

'Ich danke Ihnen im Namen Sr. Majestät für diesen Ausdruck Ihrer Anhänglichkeit, welchen ich auch nicht ermangeln werde, dem Kaiser alsogleich mitzuteilen. Gewiß! Wir haben nie in die Treue Zweifel gesetzt, welche Sie neuerdings an den Tag legen. Ja, es ist nun an uns fest zusammen zu halten; denn nur dann können wir zum gewünschten Ziele gelangen'.

Die für diese Zeit außerordentliche Schärfe der Petition wird erst klar, wenn man bedenkt, dass wenige Tage zuvor die öffentliche Presse zum Anschlusse der Bürger an die Regierung aufgefordert hatte, während jetzt das entgegengesetzte Verlangen gestellt wurde.

1848 9. März

In einer Besprechung bei Dr. Alexander BACH, an der führende Gewerbevereinsmitglieder teilnehmen, wird über Antrag von ARTHABER eine Petition an die niederösterreichischen Stände beschlossen, worin u. a. die Gründung von Handelskammern vorgeschlagen wird.

1848 14. März

Die Wiener Studenten gründen die 'Akademische Legion', Graf COLLOREDO-MANNSFELD übernimmt das Kommando. Michael MATSCHEKO, Präsident des Gewerbevereins von 1877 bis 1880 und 1887 bis 1893, tritt der Technikerabteilung der Legion bei, geht im September 1848 nach Ungarn und kämpft dort als Leutnant der Wiener Legion an der Seite der aufständischen Ungarn, flüchtet in die Türkei und kommt 1850 amnestiert schwerkrank nach Wien zurück, wo er das Chemiestudium wieder aufnimmt.

1848 15. März

Die kaiserliche Antwort als niederösterreichischer Regierungserlaß:

Hochgeborener Graf! Se. Majestät haben laut h. Hofkanzlei-Präsidial Erlasses vom 13. d. Mts. mit Allerh. Kabinettsschreiben vom 13. d. Mts. zu befehlen geruht, folgende Eröffnung an den niederösterreichischen Gewerbeverein gelangen zu lassen: 'Ich habe die Adresse, von deren Inhalt Ich übrigens schon durch Meines Herrn Bruders Liebden Kenntnis erhalten hatte, als den Ausdruck treuer Anhänglichkeit des niederösterreichischen Gewerbevereins mit der Empfindung inniger Befriedigung angenommen, wenn gleich hiebei sowohl die Schranken des Vereinszweckes überschritten worden, als auch in den Ausdrücken Übertreibungen unterlaufen sind, die Ich nur dem überströmenden Gefühle zuschreiben will, wozu die Zeitumstände Veranlassung gegeben haben mögen.¬´ Ich gebe mir die Ehre, Euer Hochgeboren dieses zur weiteren gefälligen Verfügung mit dem Beifügen mitzuteilen, dass diese Allerhöchste Eröffnung von Seite des hoh. Hofkanzlei-Präsidiums in Folge eines weiteren Allerhöchsten Befehls dem Herrn Präsidenten der Polizei-Zensurs-Hofstelle zur Berücksichtigung bei der Einschaltung in die Öffentlichen Blätter mitgeteilt worden ist. Genehmigen Euer Hochgeboren die Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung, womit ich zu verharren die Ehre habe, Euer Hochgeboren gehorsamster Diener TALATZKO. Wien, den 14. März 1848. An Seine des Herrn k. k. Kämmerers, Vorsteher des niederösterreichischen Gewerbevereins etc. etc. Grafen von COLLOREDO-MANNSFELD Hochgeboren.

1848 8. Mai

Graf COLLOREDO-MANNSFELD in der Monatsversammlung:

Die Ereignisse, welche seit unserer letzten Versammlung am 6. März, in der Sie, die Zeitlage richtig erfassend, eine Adresse an Se. Majestät votierten, eingetreten sind, haben auch auf unseren Verein und die Elemente, welche ihn bilden, auf Industrie und Gewerbe, einen mächtigen, tief eingreifenden Einfluss geübt.

Indem wir uns heute zum ersten Male wieder in grösserer Zahl versammeln, da die für den 3. April anberaumte Versammlung durch die gänzliche Zersplitterung unserer wirkenden Kräfte und durch die drangvollen Vorfälle jener sturmbewegten Tage unterbleiben musste, beginnen wir eine neue Aera unter dem Schutze der goldenen Freiheit, die uns durch das Geschenk unseres guten Kaisers geworden, und die wir auf dem Wege des Gesetzes, der Ordnung und des Rechtes bewahren wollen. Die Hemmnisse, welche unserem Wirken bisher in vielfacher Beziehung entgegenstanden, sind gefallen. Wir werden uns freier bewegen können auf der Bahn des Fortschrittes, wirkend und schaffend durch das entfesselte Wort, durch die rasche Tat. Wenn unsere Aufgabe, sowie unsere Lage in Mitte der bedrängnisvollen Verhältnisse und Wirren gegenwärtig eine höchst schwierige ist, so werden wir - wir hoffen es - dennoch mit vereinter Kraft, mit Mut und Umsicht die drohenden gefahrvollen Klippen ungefährdet umschiffen.

Ordnung und Gesetz, Besonnnenheit und Mässigung, Eintracht und Nüchternheit der Gesinnung sei unsere Losung! Wenn wir sie fest im Auge behalten, so wird Ruhe, mit ihr Arbeit und Erwerb wiederkehren, die Gewerbe und der Verkehr werden sich wieder beleben und wir werden einer glücklichen, einer lichtvollen Zukunft entgegengehen.

1848 17. Mai

Graf COLLOREDO-MANNSFELD kommt als Kommandant der Legion in Ausübung eines Befehls in eine lebensgefährliche Lage, radikale Elemente bezichtigen ihn des Verrats, verfolgen ihn, er entgeht mit Hilfe einiger Besonnener dem Schicksal LATOURS, kann aus Wien heimlich flüchten und zieht sich schwerkrank auf seinen Landsitz Stieber zurück.

1848 21. Mai

Die von Minister KÜBECK eingesetzte Ministerialkommission, der nahezu alle Gründer des Gewerbevereins angehören, beginnt mit der Ausarbeitung eines Statutes für die Handelskammern.

1848 7.Juli

Theodor HORNBOSTEL, Vorstandsmitglied des Gewerbevereins, wird Handelsminister. Er beschleunigt im Sinne des Gewerbevereins die Vorarbeiten für das Handelskammerstatut.

1848 3. Oktober

HORNBOSTEL erwirkt im Ministerrat die Genehmigung der 'provisorischen Bestimmungen in Betreff der Errichtung von Handelskammern', die die Grundlage für den Erlaß des Handelsministeriums vom 15. Dezember 1848 und ihre Verlautbarung im Reichsgesetzblatt Nr. 27/1849 bildeten.

1848 1. Dezember

Graf COLLOREDO-MANNSFELD schreibt an den Gewerbeverein:

Löblicher Gewerbeverein!

Obwohl seit vielen Monaten an einer langwierigen Gelbsucht und neuerdings an den Folgen eines schweren Falles zu Bette und ausser Stande, selbst zu schreiben, kann ich bei den Auszeichnungen, welche mir durch den Gewerbeverein wiederholt geworden, bei dem herannahenden Ende der Zeit, für welche ich zum Vorsteher gewählt worden, nicht unterlassen, durch eine entlehnte Feder dem Vereine meinen Dank auszudrücken und die Unmöglichkeit anzuzeigen, in der ich mich dermalen befinde, ihm ferner meine Dienste zu weihen, so bereit ich auch unter anderen Verhältnissen dazu wäre. Uebrigens wird mir immer die Zeit, in der ich gemeinschaftlich mit ihm das Beste unseres Vaterlandes in industriellen Angelegenheiten erforschen konnte, als eine höchst werthvolle erinnerlich bleiben. Stiebar, am 1. December 1848.

Mit ausgezeichneter Achtung

Ferdinand COLLOREDO-MANNSFELD

1849 10. Februar

Die 'Zeitschrift des niederösterreichischen Gewerbevereines' erscheint zum ersten Mal.

1849 Frühjahr

Der Gewerbeverein hat die Federführung bei den Vorbereitungen der Vorschläge für die Wahlen in die Handelskammer und bei ihrer Konstituierung.

1849

Der Gewerbeverein gibt den 'Handels- und Gewerbeschematismus für Wien und dessen nächste Umgebung' heraus, bis 1857 fortgesetzt. Der Vorläufer des 'Lehmann'.

1851 Dezember

Caesar v. B√âZARD, Assistent von Prof. Adaen BURG am Polytechnischen Institut, wird mit einigen seiner Studenten, darunter M. MATSCHEKO, der spätere Präsident, und Ed. SÜSS, der spätere Verwaltungsrat des NÖG (Erbauer der Wiener Hochquellwasserleitung), unter der Verdächtigung des Hochverrates verhaftet. Die beiden werden nach neun Monaten Untersuchungshaft 'mangels an Beweisen' freigelassen; B√âZARD wird auf Grund von eher unzureichendes' Indizienbeweisen zum Tod verurteilt und gehängt, BURG relegiert. Diese Affäre ist in die Annalen der TU als 'Bezard Tragödie' eingegangen.

1862

Als Sendling des Gewerbevereins zur Londoner Weltausstellung lernt Wilhelm EXNER auf der Rückreise das Pariser 'Conservatoire des arts et m√©tiers' kennen. Die ihn faszinierende Idee ergreift ihn: 'Österreich braucht ein Technologisches Gewerbemuseum'. Er findet im Gewerbeverein die entsprechenden tatkräftigen Funktionäre.

1863

Gründung eines Musterlagers von Produkten aus 15 Sparten mit 652 Nummern; es übersiedelt 1872 in den zweiten Stock des Vereinshauses.

1864 6. Dezember

In der Generalversammlung 'wird der Wunsch lautbar', dass jene Verwaltungsratsmitglieder, welche ihre Funktionsperiode beenden, nicht unmittelbar wiedergewählt werden können.

1865 3. März

Kaiser FRANZ JOSEPH empfängt eine Deputation des Gewerbevereines und Ingenieur- und Architektenvereines und erteilt die allerh. Signatur, dass beide Vereine zum Aufbau eines gemeinschaftlichen Vereinshauses auf dem Segment der Stadterweiterungsgründe einen Baugrund zu ermäßigten Preisen unter bestmöglichen Bedingungen erhalten.

1865 4.Mai

Im k. k. Redoutensaale findet die ,,25- Jahre'- Jubiläumsfeier statt, ein Festsouper wird in den ehemaligen Sperl-Etablissements abgehalten. Mitglieder widmen dem Verein ein kostbares Vereinsbanner.

1870 24. Februar

Durch allerh. Entschließung wird der Preis für das Grundstück des Vereinshauses per Quadratklafter mit 200 fl. festgelegt (gängiger Kaufpreis 350 fl.).

1870 24. Oktober

Baubeginn des Vereinshauses. Entwurf von Architekt Otto THIENEMANN.

1872 15. Oktober

Die Bauarbeiten des Hauses beliefen sich auf 348.700 fl. 31 kr.; hievon entfielen auf Baurechnungen 246.609 fl. 54 kr., auf die innere Einrichtung 23.848 fl. 81 kr., auf den Grundpreis 47.646 fl. 32 kr.

1872 26. November

Feierliche Eröffnung des Vereinshauses durch Kaiser FRANZ JOSEPH.

1873

Im Rahmen der von ihm organisierten Weltausstellung in Wien veranstaltet der Gewerbeverein zwei Spezialausstellungen: die additionale Ausstellung 'Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Österreichs' und eine über Abfallverwertung!

1874 20. Jänner

Ein Dringlichkeitsantrag EXNERS führt zum Beschluß, ein Gewerbeverein-Comite zur Errichtung eines Gewerbe-Museums einzusetzen.

1875 15. Dezember

Kaufmännische Kurse und Spezialkurse für Gewerbetreibende, Werkführer und Arbeiter werden eingerichtet.

1879 18. April

Die Monatsversammlung beschließt das Organisationsstatut, dessen erster Punkt lautet: Der n.ö. Gewerbeverein errichtet ein Technologisches Gewerbe-Museum zur Förderung der technischen Seite des Gewerbes, nachdem jahrelange Bemühungen, von staatlichen Stellen Unterstützung zu erhalten, ergebnislos waren.

Die Leitung des Museums unterliegt dem jeweiligen Vereinspräsidenten; Michael MATSCHEKO ist der erste.

1879 26. Oktober

Feierliche Eröffnung des 'TGM' im Vereinshaus.

1890 28. Februar

Festversammlung anläßlich des 50jährigen Bestandes in Anwesenheit des Erzherzog-Protektors KARL LUDWIG und der gesamten Prominenz der Monarchie unter Vorsitz von Präsident Michael MATSCHEKO im Musikvereinssaal. Die Festrede hält Wilhelm EXNER.

Die Versammlung widmet aus dem Vereinsvermögen 15.000 fl. zur Schaffung eines Pensionsfonds für die Angestellten des Vereins; ferner 1.000 fl. dem Vereine für Arbeitsvermittlung, 1.000 fl. der Produktivgenossenschaft für Frauenhandarbeit und 1.000 fl. zur Errichtung einer Öffentlichen Lesehalle am TGM. Folgender Beschluß wird gefaßt: Der niederösterreichische Gewerbeverein hat ein Museum der Geschichte der Österreichischen Arbeit zu gründen, und es wird ihm hiezu ein Beitrag von 10.000 fl. bewilligt.

Nach der Festversammlung begeben sich 400 Festgäste und Delegierte als Gäste des Vereines zum Festmahle in den Sofiensaal.

1890 1. März

Festball in den Sofiensälen, 254 Tanzpaare beteiligen sich an dem Cotillon.

1897

Der 'Reform-Klub', die 'Jugendgruppe' des Gewerbevereines, angeregt durch den Bericht des Vereinssekretärs Dr. Emil AUSPITZER über die Berliner Volksbildungsinstitute, errichtet in Zusammenarbeit mit weiteren Interessenten auf der Jubiläumsausstellung des niederösterreichischen Gewerbevereins die 'Urania', ein populärwissenschaftliches Institut. Nach der Ausstellung wird diese Idee weitergetragen - bis zur Realisierung im Gebäude bei der Aspernbrücke.

1904

Der Gewerbeverein kann den durch die Expansion der Anstalt steigenden finanziellen Bedarf nicht mehr decken. Der Staat übernimmt das Technologische Gewerbemuseum. Der Kaufvertrag sah vor, die Summe in Raten auszubezahlen; die Zahlungen zogen sich sehr lange hin.

Datiert vom 6. Dezember 1883, unterschrieben von: Georg SIGL, Präsident Anton BANHANS und Vizepräsident ZIMMERMANN

1906

Das Vorhaben, eine Bau- und Industrieausstellung 1908 in Wien zu veranstalten, wird wegen Einspruchs von Regierungsstellen fallengelassen. Aus Staatsräsongründen wird eine solche für Prag gefördert. Dafür versprechen die Behörden volle Unterstützung für die Errichtung eines technischen Museums.

Ein Schreiben der k. k. Polizeidirektion Wien an den Niederösterreichischen Gewerbeverein

1909 20. Juni

Feierliche Grundsteinlegung für das Gebäude des Technischen Museums. Der Obmann des Organisationskomitees des TM ist der Ehrenpräsident des Gewerbevereins, Sektionschef Dr. Wilhelm EXNER.

1918 28. März

Die Vollversammlung beschließt den Antrag von Gemeinderat Dr. v. DORU, betreffend die Schaffung einer Wiener Messe.

1921

Die Dezember-Hauptversammlung verleiht zum ersten Mal die Wilhelm EXNER gewidmete Medaille (geschaffen von Prof. Stephan SCHWARZ) an den Namensträger, Dr. Karl AUER von WELSBACH, Geheimer Baurat, und Dr.-Ing. Oskar von MILLER.

1924 9. Dezember

Das Bundeskanzleramt hat den Hauptverband der Gewerbeverbände Österreichs mit Erlaß die Führung des Staatswappens des Bundes in Siegel, Stempel und Drucksorte bewilligt.

1924 19. Dezember

In der Hauptversammlung erwähnt Wilhelm EXNER den Antrag von Präsident Ernst KRAUSE auf Bildung der 'großen Kommission für das technische Versuchswesens', in welcher sich Vertreter aller technischen Wissenschaften und Versuchsanstalten befinden. Ein Areopag von Gelehrsamkeit und großer geistiger Bedeutung.

1925 22. Mai

Präsident Ernst KRAUSE führt in der 2.380. Vollversammlung aus: Der Arbeitgeber-Hauptverband bewährt sich als zentrale sozialpolitische Stelle für die mittlere Industrie und das Gewerbe bestens und arbeitet ständig im Einvernehmen mit der Arbeitgeberorganisation der Großindustrie.

Unter dem Vorsitz von Vizepräsident KommR Heinrich LENHARDT wurden alle freien und gesetzlichen gewerblichen Körperschaften zu einer 'ständigen Delegation' zusammengeschlossen; zunächst für Wien und Niederösterreich.

1927 10. März

Die 'Hauptstelle gewerblicher Arbeitgeberverbände' im Gewerbeverein hält die ordentliche Jahresvollversammlung ab. Ihr gehören 59 Mitgliedsverbände an, womit die arbeitsrechtliche Organisation geschlossen erscheint. Die Hauptstelle führte 1926 für 36 Arbeitgebergruppen Lohn- bzw. Kollektivvertragsverhandlungen durch.

1928 21. Februar

Die Industriesektion des NÖG beschließt in Anwesenheit von Vertretern der Technischen Hochschule den Antrag Wilhelm EXNERS auf Schaffung einer Lehrkanzel für Geschichte der Technik.

Wilhelm Exner zwischen Bürgermeister Dr. LUEGER und Vizebürgermeister HIERHAMMER bei der Grundsteinlegung des Technischen Museums 1909

1929

Wilhelm EXNER über den Gewerbeverein in seinem Buch 'Erlebnisse':

Von meinem Eintritt in den Gewerbeverein im Jahre 1860 und dessen unmittelbarer Wirkung der Entsendung als Stipendist dieses Vereines und Berichterstatter im Jahre 1862 nach London angefangen, blieb ich mein ganzes Leben diesem Vereine ein treuer Anhänger und Mitarbeiter. Ich beschränkte mich jedoch niemals auf die Verfolgung meiner fachlichen Interessen, deren Förderung ich dem Gewerbeverein verdankte, sondern war auch für ihn ein stets warmer und überzeugter Partisan. Bekanntlich gingen ja aus dem Gewerbeverein die Handelskammern, der Ingenieur- und Architektenverein sowie zahlreiche andere Fachvereine, endlich auch wirtschaftliche Korporationen, die Handel, mittlere und Großindustrie und das Verkehrsleben zu ihrer besonderen programmatischen Aufgabe machten, hervor. Diese Sprößlinge des ältesten Verbandes von Bürgern Wiens zeigten sich in Verfolgung ihrer Sonderaufgaben nicht immer freundlich oder gar dankbar gegenüber dem Vereine, aus dessen Schoße sie hervorgegangen waren. Hunderte von Mitgliedern des Gewerbevereines machten in jüngeren Körperschaften Karriere und bevorzugten oft die neue Stätte ihrer Tätigkeit. Nicht selten entwickelten sie eine dem Gewerbeverein abträgliche, sogar feindselige Haltung. Ich selbst blieb unentwegt beharrlich und den Gewerbeverein stets energisch vertretend, ihm allzeit getreu. Man belohnte meine konsequente Anhänglichkeit überreich, nicht nur durch die Verleihung der großen goldenen Vereinsmedaille und der Ehrenmitgliedschaft, sondern auch durch die Ernennung zum Ehrenpräsidenten des Vereines als Nachfolger meines großen Lehrers Adam Freiherrn von BURG. Als solcher hatte ich auch eine Virilstimme im Verwaltungsrat und in dem später gegründeten Präsidialkomitee. Als die bedeutungsvollste der mir zuteil gewordenen Ehrungen darf ich aber wohl die Stiftung der Wilhelm-Exner-Medaille einschätzen, die aus Anlaß meiner sechzigjährigen Mitgliedschaft beschlossen worden ist.

 1929 Dezember

Unter Vorsitz von Präsident Dr. BÜHLER wird das 90jährige Bestandsjubiläum festlich begangen. Bundespräsident Dr. HAINISCH und Bundeskanzler Dr. SCHOBER halten Festansprachen.

1929 19. Dezember

Altpräsident KRAUSE berichtet in der Wochenschrift Nr. 51, dass der Gewerbeverein neben der großen Weltausstellung 1873 fünf große Jubiläumsausstellungen und etwa 20 Spezialausstellungen für verschiedene Fächer veranstaltet hat. Ebenso hat der Gewerbeverein die österreichischen Abteilungen der Weltausstellungen in London, Paris und Chicago teilweise oder hauptsächlich organisiert.

1930 24. März

Festlegung der Richtlinien für die Vorarbeiten zur Gründung des' Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik und Industrie in Österreich'; der NÖG führt die vorbereitenden Arbeiten bis zur Gründung des Institutes am 1. Juli 1931 fort.

Das Arbeitszimmer von Wilhelm EXNER im TGM, Währingerstrasse 59

1931

Der Niederösterreichische Gewerbeverein erhält das Recht zur Führung des Staatswappens der Republik Österreich.

1934

Der Niederösterreichische Gewerbeverein hat 8 volkswirtschaftliche Abteilungen, 11 Fachabteilungen und 27 Fachgruppen und Fachverbände.

1935

Maihauptversammlung:

§ 19 Abs. 4 wird folgendermaßen ergänzt: Für die Dauer der durch den wirtschaftlichen Umbau des Bundesstaates Österreich geschaffenen außerordentlichen Lage gilt folgende Ausnahmebestimmung: die Amtsdauer des derzeit im Amte befindlichen Präsidenten erlischt erst in dem Zeitpunkt, in welchem die Umbildung des NÖG durchgeführt ist, welche durch die wirtschaftliche Neuordnung Österreichs auf ständischer Grundlage bedingt wird. Die Entscheidung darüber, wann dieser Zeitpunkt eingetreten ist, obliegt der Hauptversammlung.

1935 29 November

Die 2.661. Vollversammlung; Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Friedrich BENZ: 'Probleme des Fernsehens.'

1936 10. Jänner

Die 2.665. Vollversammlung beschließt die 'Berufungen in die Leitung der Zünfte und Innungen' von 67 Mitgliedern.

Die Ausgestaltung der Wochenschrift durch eine neue Rubrik unter dem Titel 'Forschung und Wirtschaft' wird beschlossen. Ihr Zweck ist es, durch die Forschung gefundene Ergebnisse der Wirtschaft dienstbar zu machen - ein Ziel, das unser Verein seit der Gründung stets im Auge behalten hat. Geleitet wird die Rubrik von dem oö. Univ.-Prof. Dr. Hermann MARK.

1936 29. Mai

Präsident Bergrat Dr.-Ing. Otto BÖHLER in seinem Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr (auszugsweise):

Das abgelaufene Geschäftsjahr stand im Zeichen der organisatorischen Umbildung unserer Wirtschaft, im Zeichen des Aufbaues der ständischen Formen. Es ist selbstverständlich, dass von dieser strukturellen Wandlung im Organisationsgefüge der österreichischen Wirtschaft auch unser Verein beeinflusst wurde. Die Bünde haben zum Teil im Vorjahr, zum Teil in den ersten Monaten dieses Jahres ihre Tätigkeit aufgenommen, so dass gewisse Arbeitsgebiete von unserem Verein verlassen werden mussten. Ich verweise dabei insbesondere auf die im Zusammenhang mit dem Beginn der Tätigkeit des Österreichischen Gewerbebundes als ständischer Organisation des Gewerbes stehende Auflösung der Hauptstelle gewerblicher Arbeitgeberverbände, die im Schoße unseres Vereines gegründet und hier mehr als ein Jahrzehnt segensreich im Sinne einer wirtschaftsfördernden Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gewirkt hat. Schon im Verlaufe des Jahres 1935 wurde die Hauptstelle als sozialpolitische Stelle des Österreichischen Gewerbebundes erklärt. In der letzten Generalversammlung vom 5. Februar 1936 wurde sie aufgelöst und damit nicht nur ihre Aufgaben, sondern auch das Personal, welches bisher vom Gewerbeverein beigesteIlt worden war, in den Dienst des Gewerbebundes übernommen. Auch einige kleine, rein gewerbliche Branchenverbände mussten auf Grund des Gewerbebundgesetzes aufgelöst werden. In gleicher Weise hat der Industriellenbund, dem die Wahrung der wirtschaftlichen Standesinteressen der österreichischen Industrie obliegt, seine Tätigkeit auf Gebiete ausgedehnt, deren Verwaltung unter anderem auch Fachverbände im Rahmen unseres Vereines bisher besorgten. Daher musste einer oder der andere unserer Verbände aufgegeben werden.

Im Zusammenhang mit dieser Umbildung der österreichischen Wirtschaft ist vielfach die Frage aufgetaucht, ob und inwieweit der Gewerbeverein sich in die neue Organisationsform einzugliedern vermag. Nun erstreckte sich die Tätigkeit des Niederösterreichischen Gewerbevereines seit jeher vielfach auf Gebiete, die nichts mit dem ständischen Aufbau zu tun haben. Ich möchte als Beispiel nur auf die im Gewerbeverein stets mit Erfolg durchgeführte Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft, auf die Förderung gemeinsamer Ziele der wirtschaftlichen Gruppen, auf die Belebung des wirtschaftsgesellschaftlichen Lebens und auf die Zusammenfassung der Mitglieder zu freiem Meinungsaustausch verweisen.

Aber darüber hinaus wird es im Rahmen der ständisch organisierten Wirtschaft voraussichtlich Aufgabe des Gewerbevereins sein, die Führung gemischter Verbände - sogenannter Ringe oder Querverbindungen - in die Hand zu nehmen, bei denen die gemeinsamen Interessen mehrerer Stände ihre Wahrung finden sollen.

Die Lösung dieses Fragenkomplexes ist bis zum heutigen Tage nicht erfolgt, doch steht schon so viel fest, dass auch nach Meinung unseres Regierungschefs und der verantwortlichen Minister unserer Organisation 'auch in der neuen Zeit eine herzliehst begrüßte Bedeutung', wie der Herr Bundeskanzler ausgeführt hat, beigemessen wird.

Dazu kommt, dass der Gewerbeverein, welcher seit mehr als einem Jahrzehnt auf die Führung von Fachverbänden großes Gewicht gelegt hat, auch solche Fachverbände weiterführen will, welche zum Beispiel einem der Bünde organisatorisch zu unterstehen haben, aber ihre Geschäftsführung trotzdem im Gewerbeverein behalten können, wie dies bei einigen industriellen Verbänden bereits durchgeführt erscheint. Endlich führen wir eine große Anzahl wirtschaftlicher Zweckvereine, deren Aufgabenkreis durch den ständischen Aufbau überhaupt nicht berührt wird.

Ich halte es für notwendig, immer wieder auf die feststehende Tatsache hinzuweisen, dass der Gewerbeverein auch im neuen Staat und in der neuen wirtschaftlichen Organisationsform zu wertvoller Arbeit im Dienste des Vaterlandes ausersehen bleibt.

Der zwischen den Zeilen lesende, an autoritären Systemen erprobte Zeitgenosse kann die Existenzbedrohung des Vereines von Seiten des 'Ständestaates' und die Situation der Funktionäre ermessen.

1936 4. Juni

Obmann des Finanzausschusses und Kassenverwalter KommR Alfred EDLINGER richtet einen Appell an die Mitglieder, zum Jubiläumsfonds für das Jahr 1939 beizutragen. Unter anderem ist eine Ausstellung 'Die Entwicklung der Technik in 100 Jahren' vorgesehen.

1936 18. Dezember

Hauptversammlung. Folgende Stiftungen und Fonds werden erwähnt: Erzherzog-Karl-Ludwig-Stiftung, Stiftung Freiherr Mayer von Gravenegg, Anton-Peterle-Stiftung und Spörlin-Fonds, Smetawa-Fonds und Tschelnitz-Fonds.


1938

Der Niederösterreichische Gewerbeverein wird von der NS Regierung stillgelegt, nicht aufgelöst. Er wird in das 'Haus der Mode' umgewandelt, das seinen Sitz im Palais LOBKOWITZ hat. Eine Luftnachrichteneinheit der deutsch Luftwaffe wird im Vereinshaus untergebracht. Bis Ende 1938 finden persönliche Zusammenkünfte von Vereinsfunktionären in der Mitgliedsfirma 'Cafe Museum' statt.


1941 Februar

12.000 Bände aus der Bibliothek des Niederösterreichischen Gewerbevereines werden 'zu treuen Händen' der Hochschule für Welthandel, Wien, übergeben.


Von 1945 bis heute



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